{"id":9,"date":"2019-02-24T17:59:56","date_gmt":"2019-02-24T17:59:56","guid":{"rendered":"http:\/\/ricercando.eu\/?p=9"},"modified":"2019-03-09T03:30:10","modified_gmt":"2019-03-09T03:30:10","slug":"aus-drei-abhandlungen-zu-zoophilie-kultur-und-gesellschaft-teil-02-zur-herkunft-des-begriffes-sodomie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ricercando.eu\/?p=9","title":{"rendered":"AUS: DREI ABHANDLUNGEN zu Zoophilie, Kultur und Gesellschaft (Teil 02 \u2014 \u2014 Zur Herkunft des Begriffes \u201cSodomie\u201d)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>DREI ABHANDLUNGEN zu Zoophilie, Kultur und Gesellschaft (Teil 02 \u2014 \u2014 Zur Herkunft des Begriffes \u201cSodomie\u201d)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder versuchen UNGEBILDETE \u201cAnti-Zoophile\u201d\nihrer \u201cMeinung\u201d Ausdruck zu verleihen, Zoophilie sei ein Zeichen von\n\u201cDekadenz\u201d, es zeige die \u201cVerkommenheit\u201d unserer Gesellschaft, und weiter und\nschlimmer, es m\u00fcsse wohl \u201cEIN NEUER ADOLF\u201d kommen, der f\u00fcr \u201cZucht und Ordnung\u201d\nsorgen m\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass erotische Beziehungen zwischen Mensch und\nnicht-menschlichen Tieren in der gesamten Menschheitsgeschichte zum Standard\nz\u00e4hlen, dass Zeugnisse davon aus vielen Kulturen, in Museen und Bibliotheken\nf\u00fcr jedermann sichtbar sind, und dass daher eher der \u201cHorror\u201d vor solchen\nBeziehungen ein Zeichen von \u201cDekadenz\u201d (also der Abwendung des Menschen von\nsich selbst und seinen Urspr\u00fcngen) sein d\u00fcrfte, f\u00e4llt den UNGEBILDETEN nicht\nauf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cAnti-Zoophile\u201d marschieren mit Fotos von GEWALTt\u00e4tig misshandelten Tieren durch die St\u00e4dte \u2013 wovon sich strohdumme \u201cPolitiker\u201d beeinflussen lassen. Mit \u201cZoophilie\u201d haben solche Photos \u00fcberhaupt nichts zu tun\u2026 es handelt sich um DEMAGOGIE, um VOLKSVERHETZUNG: ein Zeichen &#8222;vordemokratischer&#8220; VERDUMMUNG und damit von DEKADENZ&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Eigenartig ist dabei, dass ausgerechnet gerade die,\nwelche sich ANGEBLICH gegen den \u201cSpeziesismus\u201d wenden und den Menschen nicht\nvon den nicht-menschlichen Tieren grunds\u00e4tzlich absondern wollen, an *diesem*\nEINEN Punkt auf einmal eine Sonderstellung des Menschen behaupten, obwohl u.a.\nbekannt ist, dass Tiere es grunds\u00e4tzlich\/ potentiell auch jenseits von\nArtgrenzen treiben, auch angesichts der von \u201cder Natur\u201d aufgerichteten\nBarrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht diesen \u201cTierrechtlern\u201d erkennbar NICHT um die\nTiere, sondern GEGEN DIE SEXUALIT\u00c4T \u2026 wie das ja von \u201cKindersch\u00fctzern\u201d auch\nbekannt ist\u2026 98% der Sexualisierten Gewalt gegen \u201cMinderj\u00e4hrige\u201d geht von als\n\u201cnormal\u201d geltenden HETEROsexuellen aus\u2026 doch Herr Putin sagt zu HOMOsexuellen\n\u201cLassen Sie die Finger von Kindern\u201d\u2026 und meint offensichtlich sich SELBST.<br>\nNach diesem Muster verfahren auch die \u201cTiersch\u00fctzer\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder, der sie dazu auffordert, sich \u00fcber Zoophilie zu\nINFORMIEREN statt der Verdummung zu folgen, wird von ihnen mit billigsten\nMitteln zu diffamieren versucht, wie z.B. mit L\u00fcgen wie, er\/sie sei selbst\nzoophil\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>WOHER nun kommt eigentlich der Begriff \u201cSodomie\u201d ?<br>\nIst schon die Auffassung von dessen Herkunft, dessen Assoziation mit \u201cS\u00fcnde\u201d\nund \u201csexueller Lasterhaftigkeit\u201d \u00fcberhaupt korrekt ?<\/p>\n\n\n\n<p>In der biblischen Erz\u00e4hlung \u00fcber Sodom hat Lot, ein Neffe Abrahams, zwei durchreisende Engel  &#8211; offenbar m\u00e4nnliche Engel ? &#8211; in seinem Haus als G\u00e4ste aufgenommen.<br> Nach dem Abendmahl haben sich vor Lots Haus s\u00e4mtliche M\u00e4nner Sodoms, alte wie junge, versammelt und verlangen, als sei das nichts Besonderes, die Herausgabe der Engel, um mit ihnen zu verkehren.<br> Lot versucht verzweifelt, dem WILDGEWORDENEN MOB statt der Engel seine beiden noch jungfr\u00e4ulichen T\u00f6chter zur Vergewaltigung \u201canzubieten\u201d.<br> Doch es kommt weder zur Vergewaltigung der Engel noch zur Vergewaltigung der T\u00f6chter. Lot verl\u00e4sst mit Frau und T\u00f6chtern die Stadt.<br> Dennoch veranlassen die Engel die Vernichtung Sodoms und f\u00fcnf weiterer St\u00e4dte durch Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>(\u201cVergessen\u201d wird \u00fcbrigens zum Beispiel, dass der Sage\nnach in der Nacht der Zerst\u00f6rung die T\u00f6chter Lots ihr Schicksal bejammerten, es\nsei nun kein Mann mehr in Sodom zugegen, der ihnen Kinder zeugen k\u00f6nne, worauf\nsie ihren Vater betrunken machen und ihn verf\u00fchren \u2026 hieraus sollen die S\u00f6hne\nMoab und Ammon (Stammv\u00e4ter der israelitischen Volksgruppen Moabiter\/Ammoniter)\nentstanden sein\u2026 doch: wo denn blieb hier die \u201cStrafe\u201d Gottes \u2026?)<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dieser Erz\u00e4hlung l\u00e4sst sich *keine* \u201cEthik zur Beurteilung sexueller Aktivit\u00e4ten\u201d ableiten.<br> Es kommt in dieser Geschichte zu keinem Gewaltakt &#8211; dennoch wird Sodom zerst\u00f6rt! Warum aber werden die Einwohner f\u00fcr etwas, das sie nicht taten, bestraft ?<br> Oder liegt die &#8222;S\u00fcnde Sodoms&#8220; doch ganz woanders ?<\/p>\n\n\n\n<p>Dass in dieser Geschichte, wie es der Katechismus (Nr. 2357) der Katholischen Kirche formuliert, &#8222;Homosexualit\u00e4t als schlimme Abirrung&#8220; bezeichnet werde, ist offensichtlicher Unsinn.<br> Davon ist in der Geschichte an keiner Stelle die Rede. <\/p>\n\n\n\n<p>Es geht in der Geschichte erkennbar auch nicht darum,\ndass die Engel m\u00e4nnlich waren. Und, h\u00e4tte Lot S\u00f6hne, wenn er sie gehabt h\u00e4tte,\nebenso zur Vergewaltigung angedient ?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Alten Testament, also in den j\u00fcdischen Reaktionen\nauf diese Geschichte, kommen m\u00f6gliche sexuelle Aspekte an keiner Stelle in den\nBlick.<br>\nBei den Propheten Jesaja (3,9) und Jeremia (23,14) wird die S\u00fcnde in der\nARROGANZ DER BEWOHNER Sodoms gesehen, f\u00fcr den Propheten Ezechiel (16,49f)\nbestand ihre Bosheit in der WEIGERUNG, DEN ARMEN und DEN VERFOLGTEN BEIZUSTEHEN\n\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>WER also bet\u00e4tigt sich hier \u2013 heute \u2013 in der \u201cSodomie\u201d\n\u2026?<\/p>\n\n\n\n<p>Zoophile ? Oder die, welche sie VERFOLGEN und ihnen\nNICHT GEGEN VERFOLGUNG BEISTEHEN \u2026?<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6gliche sexuelle Aspekte der Erz\u00e4hlung werden erst im\nNeuen Testament angedeutet (2 Petr 2,10; Jud 7?8). Dort ist ansatzweise von der\n?schmutzigen Begierde des K\u00f6rpers? die Rede. Dass die Autoren dieser Schriften\naus der Sodom-Erz\u00e4hlung allerdings eine Verurteilung gleichgeschlechtlicher\nSexualit\u00e4t herausgelesen h\u00e4tten, ist beim besten Willen nicht zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter kirchlichen und kanonischen Autoren l\u00e4sst sich\nerst sehr viel sp\u00e4ter und nur ganz allm\u00e4hlich ein \u201cwachsendes Interesse an den\nsexuellen Aspekten\u201d dieser Geschichte erkennen, wobei Augustinus (5.\nJahrhundert) sich dabei eher f\u00fcr das allgemeine Problem ?ungeordneter\nBegierden? interessiert als z.B. f\u00fcr gleichgeschlechtliche Handlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst um das 7. Jahrhundert legt sich Gregor der Gro\u00dfe (? 604) auf eine eindeutig sexuelle Auslegung der Sodom-Geschichte fest: Sodom wird f\u00fcr ihn der Inbegriff f\u00fcr die Strafe Gottes wegen ?Verbrechen des Fleisches? (scelera carnis). Was aber wiederum diese &#8222;Verbrechen des Fleisches&#8220; sein sollten, stand f\u00fcr die christlichen Theologen noch lange nicht fest. <\/p>\n\n\n\n<p>In vielen F\u00e4llen wurde \u201cSodomie\u201d ein allgemeiner Ausdruck f\u00fcr Formen sexuellen Verkehrs, die als &#8222;widernat\u00fcrlich&#8220; angesehen wurden.<br> Auch Verkehr von Christen mit Juden wurde lange Zeit als \u201cSodomie\u201d bezeichnet\u2026<br> Selbst sexuelle Akte zwischen Mann und Frau wurden gelegentlich als ?sodomitisch? bezeichnet, wenn sie nicht auf Fortpflanzung ausgerichtet waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu einer Wendung in der allgemeinen Auffassung kommt es erst durch Petrus Damiani (11. Jahrhundert), den Wortf\u00fchrer der \u201cGregorianischen Reform\u201d, einen gl\u00fchenden Verfechter des Priesterz\u00f6libats und einen w\u00fctenden K\u00e4mpfer gegen das &#8222;sodomitische Laster&#8220;.<br> Deshalb schreibt er einen langen Brief an Papst Leo IX. (1049).<br> Petrus Damiani tritt darin daf\u00fcr ein, das \u201csodomitische Laster\u201d \u2013 was er meint, ist die, aus seiner Sicht, Verbreitung allgemeinen \u201csexuellen Lasters\u201d in den Orden, unter den Priestern und in der Gesellschaft, an dem sich aber au\u00dfer ihm offenbar kaum jemand sehr zu st\u00f6ren schien \u2013 wesentlich strenger zu bestrafen, als dies bis dahin die kirchlichen Bu\u00dfb\u00fccher vorgesehen hatten. <\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Brief an Papst Leo erfindet Damiani erst diese neue Vokabel: die \u201cSodomie\u201d. Er tat dies in absichtlicher Analogie zur Blasphemie \/ der &#8222;Gottesl\u00e4sterung&#8220; : &#8222;Wenn Blasphemie die schlimmste S\u00fcnde ist, wei\u00df ich nicht, auf welche Weise Sodomie besser sein sollte?&#8220;<br> F\u00fcr Damiani war hinfort &#8222;Sodomie&#8220; zun\u00e4chst und insbesondere der Oberbegriff f\u00fcr alle Arten von sexuellen Handlungen zwischen M\u00e4nnern.<br> Damit kam aber ? nach und nach, in dem Ma\u00dfe, wie der neue Begriff sich verbreitete ? eine neue Qualit\u00e4t ins Spiel:<br> \u201cSodomiter\u201d sind nicht mehr *Personen*, die aus den unterschiedlichsten Motiven und unter den unterschiedlichsten Umst\u00e4nden bestimmte Handlungen ausf\u00fchren, sondern \u201cSodomiter\u201d werden Tr\u00e4ger des Merkmals ?Sodomie?, und zu einer \u201cGruppe\u201d mit einer bestimmten Disposition, allenfalls zu \u201cbemitleidende\u201d Gesch\u00f6pfe, die nichts mehr \u201cmit uns zu tun\u201d haben sollen, die ausgegrenzt werden k\u00f6nnen.<br> Man schafft eine \u201cGruppe \u201cvon Menschen, die man von den ?normalen? Menschen dann klar abgrenzen kann, auf die auch alles projiziert werden kann an \u201cB\u00f6sem\u201d, das man an sich selbst nicht wahrhaben m\u00f6chte\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>So kann \u201cklar werden\u201d, dass diese \u201cAnderen\u201d auch f\u00fcr\nHungersn\u00f6te, Pest und Erdbeben verantwortlich sind.<br>\nOder \u2013 heute \u2013 eben f\u00fcr die \u201cDekadenz\u201d unserer angeblich \u201cperversen\u201d\nGesellschaft, f\u00fcr alles womit sich f\u00fcr \u201cnormal\u201d erkl\u00e4rende Menschen nicht\nzurecht kommen.<br>\nIn dem Zusammenhang wird deutlich, weshalb \u201cAnti-Zoophile\u201d fast ausschliesslich\naus kleinb\u00fcrgerlichen, ungebildeten, gesellschaft depravierten Milieus stammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als diese &#8222;Anderen&#8220; geh\u00f6ren die \u201cSodomiten\u201d im ausgehenden Mittelalter mit den Hexen und den Juden zu jenen \u201candersartigen Feinden der Christenheit\u201d, die mit diabolischen Merkmalen gekennzeichnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hintergr\u00fcnde, weshalb aber diese Ideologien auf\nfruchtbaren Boden fallen, sind gesellschaftliche und soziale Umw\u00e4lzungen, deren\nBeschreibung fatal an Heute erinnert, und die \u201cBetroffenen\u201d Angst machen, f\u00fcr\nderen \u201cBew\u00e4ltigung\u201d sie S\u00fcndenb\u00f6cke \u201cbrauchen\u201d\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Unz\u00e4hlige gro\u00dfe St\u00e4dte entstehen seinerzeit, Familienverb\u00e4nde l\u00f6sen sich auf, neue Wirtschaftsformen bilden sich heraus, viele Menschen verelenden &#8211; gro\u00dfe Unsicherheit greift um sich.<br> Die \u201ctraditionellen\u201d (!) Formen des famili\u00e4ren Zusammenhalts beginnen sich aufzul\u00f6sen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201cAmtskirche\u201d, die l\u00e4ngst unaufl\u00f6slich ihre Verbindung zur weltlichen Herrschaft eingegangen ist, und darum f\u00fcrchtet, reagiert hierauf mit einer Flut des \u201cLobes der Ehe\u201d, der \u201ctraditionellen\u201d Formen des Zusammenlebens\u2026<br> Erst jetzt erkl\u00e4rt die Kirche in Lyon 1274 die Ehe zum &#8222;Heiligen Sakrament&#8220; \u2013 wovon ja viele heute behaupten oder glauben, dies sei sozusagen \u201cdirekt von Jesus (oder Petrus oder Paulus) verf\u00fcgt\u201d\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>So also ist der uns bis heute so gel\u00e4ufige Begriff\n\u201cSodomie\u201d keiner, der auch nur das Geringste mit seiner alttestamentarischen\nBedeutung und Herkunft zu tun h\u00e4tte:<br>\nalso mit seiner STRAFE F\u00dcR DIE, WELCHE DEN VERFOLGTEN NICHT BEISTEHEN und IHRER\nARROGANZ FR\u00d6NEN, sondern er ist so nur ein Produkt der \u201cchristlichen\u201d\nTheologie: \u201cchristlich\u201d aber nur im Sinne der Sicherung und Festigung\n\u201cchristlich\u201d-weltlicher Herrschaft und Macht\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>In der Benennung und Definition bestimmter sexueller\n\u201cVorlieben\u201d aber \u00fcberlebt bis heute diese Stigmatisierung durch die\nmittelalterliche Theologie:.<br>\nDie absurde Vorstellung etwa, dass Homosexuelle \u2013 oder auch Zoophile \u2013\n\u201cirgendwie anders\u201d seien, ist fest im Denken der meisten Menschen verankert.\nDiese \u201cTrennlinie\u201d kann umgehend wieder ?gesch\u00e4rft? werden, wenn sich das\ngesellschaftliche Klima \u00e4ndern sollte: genau das erleben wir jetzt, dies ist\nder \u201ckonservative Roll-Back\u201d\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Dagegen hilft allein die Bek\u00e4mpfung des Glaubens an\nsolche \u201cUnterschiede\u201d und \u201cTrennlinien\u201d \u2013 nur dies kann das Gift von Petrus\nDamiani \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor \u00fcber vierzig Jahren waren wir bereits einmal fast\nsoweit: ab 1968 wurden die Gesetze gegen Zoophilie, und dann Homosexualit\u00e4t\nvollst\u00e4ndig aufgehoben, auch gegen\u00fcber P\u00e4dosexualit\u00e4t machte sich eine\ndifferenziertere Einstellung breit, es herrschte eine gesellschaftliche\nAufbruchsstimmung, die bedauerlicherweise heute kaum noch vorstellbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine der Leitthemen dieser revolution\u00e4ren Stimmung war\ndie fortschrittliche Psychoanalyse, die nicht beim Individuum stehen blieb,\nsondern die sozialen Verh\u00e4ltnisse kritisch betrachtete.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass der Geschlechtstrieb nicht f\u00fcr die \u201cReproduktion\u201d\ndes Menschen, nicht einmal nur f\u00fcr sein sexuelles Genie\u00dfen zust\u00e4ndig sein soll,\nist eine jetzt bereits 109 Jahre alte Erkenntnis:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cDas Begehren des Mannes zum Weib ist nicht weniger erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig als das des Mannes zum Mann\u201d (Sigmund Freud:\u201dDrei Abhandlungen zur Sexualtheorie\u201d, 1905).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u201cnat\u00fcrliche\u201d Sexualit\u00e4t gibt es nicht,\nebensowenig eine \u201cperverse\u201d. Die \u201cFortpflanzung\u201d ist nicht mehr als *eine* von\n*vielen* Funktionen der \u201cSexualit\u00e4t\u201d. Das ist nat\u00fcrlich eine Kr\u00e4nkung f\u00fcr\nHeterosexuelle.<br>\nDas \u201cpervers\u201d Genannte ist nie ohne das \u2013 stets konstruierte \u2013 so genannte\n\u201cGegenteil\u201d zu denken.<\/p>\n\n\n\n<p>Freuds Beitrag war hier radikaler als alles zuvor,\nnicht blo\u00df eine Fortschreibung der \u201cAufwertung\u201d der Geschlechtlichkeit, wie von\nder \u201cAufkl\u00e4rung\u201d betrieben, als Verbindung zur \u201cVernunft\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr diejenigen so genannten und selbst ernannten, und\n\u2013 siehe oben \u2013 in ihrer Argumentation h\u00f6chst widerspr\u00fcchlichen \u201cTierrechtler\u201d\nund\/oder Veganer, die sich allen Ernstes auch noch auf der Seite des\nFortschritts und der Aufkl\u00e4rung w\u00e4hnen, wird hier leider deutlich, dass sie\nsich bedauerlicher Weise auf der Seite der REAKTION\u00c4REN und des\ngesellschaftlichen R\u00dcCKSCHRITTS befinden\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>1905 sowie sp\u00e4ter (\u201cDas Unbehagen in der Kultur\u201d, 1930) verlie\u00df er alle traditionellen Erkl\u00e4rungsschemata, insbesondere das bipolare Konzept von &#8222;nat\u00fcrlicher Trieb<br> versus Perversion&#8220; (das er trotz seiner Erkenntnisse 1905 noch ausgef\u00fchrt hatte), indem er z.B. zwischen dem Sexualobjekt und dem Sexualziel, zwischen der begehrten Person und der angestrebten sexuellen Handlung  unterschied.<br>Damit stellte Freud ein angeblich biologisch vorgegebenes &#8222;Ziel&#8220; des &#8222;Triebes&#8220; grunds\u00e4tzlich in Frage. <\/p>\n\n\n\n<p>Er wies auf, dass sowohl heterosexueller wie auch homosexueller Geschlechtsverkehr, aber auch jede andere Form von sexueller Bet\u00e4tigung eine bestimmte kulturelle Leistung sei; die heterosexuelle Fixierung sei damit genauso wenig selbstverst\u00e4ndlich und genauso erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig wie \u2013 zum Beispiel \u2013 die homosexuelle.<br> Die psychologische Basis f\u00fcr diese Offenheit der Wahl liegt nach Freud im Umstand, dass Menschen eine urspr\u00fcnglich &#8211; als solche allerdings nicht erst von Freud entdeckte &#8211; &#8222;polymorph-perverse&#8220; Anlage haben. Sie kommen nicht irgendwie \u201c-sexuell\u201d auf die Welt.?<br>In dieser Anlage zu allen &#8222;Perversionen&#8220;, so Freud, &#8222;ist das Allgemein Menschliche und Urspr\u00fcngliche zu erkennen.&#8220; (1905). <\/p>\n\n\n\n<p>Das ist unver\u00e4ndert und zweifellos ein Umschlagspunkt,\nden freilich die unver\u00e4ndert herrschende b\u00fcrgerliche Gesellschaft noch immer\nnicht nachvollzogen hat: denn es widerspr\u00e4che ja ihrem Fortbestand \u2026 daher die\nANGST davor, das unmissverst\u00e4ndlich zu Erkennende zu erfassen und\nauszusprechen, aus Furcht vor dem Verschwinden der eigenen \u201c\u00dcberzeugung\u201d als\n\u201cLebensgrundlage\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum einen ist damit nicht nur, wie schon lange im Rahmen des Sexualit\u00e4tsdispositivs, die Geschlechtlichkeit zum Menschlichen schlechthin geworden, zum innersten Kern des Subjekts; vielmehr wird \u00fcberdies die Perversion, die zuvor noch als das Andere, das Ausgeschlossene den &#8222;guten&#8220; Sex konstituieren sollte, nun selbst zum &#8222;Ursprung&#8220; aller menschlichen Triebe. <\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl Freud dann wieder ein Konzept von &#8222;normaler&#8220; Sexualit\u00e4t entwickelte (das auch eine sehr problematische Vorstellung von weiblicher Sexualit\u00e4t mit einschloss), wurde insbesondere im \u201cSp\u00e4twerk\u201d immer deutlicher, dass er grunds\u00e4tzlich nicht mehr an den &#8222;guten&#8220;, den &#8222;gesunden&#8220; Sex glaubte. <\/p>\n\n\n\n<p>**Das Perverse ist das genuin Menschliche**<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird nur dann als \u201cschlecht\u201d oder \u201cb\u00f6se\u201d angesehen\nwerden k\u00f6nnen, wenn es sich zerst\u00f6rerisch und gewaltt\u00e4tig \u00e4u\u00dfert. Es k\u00f6nnte\nhier also nur GEWALT verfolgt werden, nicht Sexualit\u00e4t an sich, wenn Gewalt\nnicht erkennbar ist (wobei die Faszination durch Gewalt ebenfalls ein Kontinuum\ndes Menschlichen darstellt, das allein durch Verdr\u00e4ngung und Stigmatisierung\nder Gewalt nicht wird konstruktiv bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen).<\/p>\n\n\n\n<p>So wie es eine \u201cartgerechte\u201d Haltung nicht gibt \u2013\nsondern sie stets nur im Zusammenhang gepr\u00fcft und beurteilt werden kann -, gibt\nes auch keine \u201cnat\u00fcrliche Sexualit\u00e4t\u201d, die mit \u201cMoral\u201d im Sinne von \u201cGeschmack\u201d\nbeurteilt werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DREI ABHANDLUNGEN zu Zoophilie, Kultur und Gesellschaft (Teil 02 \u2014 \u2014 Zur Herkunft des Begriffes \u201cSodomie\u201d) Immer wieder versuchen UNGEBILDETE \u201cAnti-Zoophile\u201d ihrer \u201cMeinung\u201d Ausdruck zu verleihen, Zoophilie sei ein Zeichen von \u201cDekadenz\u201d, es zeige die \u201cVerkommenheit\u201d unserer Gesellschaft, und weiter und schlimmer, es m\u00fcsse wohl \u201cEIN NEUER ADOLF\u201d kommen, der f\u00fcr \u201cZucht und Ordnung\u201d sorgen &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/ricercando.eu\/?p=9\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eAUS: DREI ABHANDLUNGEN zu Zoophilie, Kultur und Gesellschaft (Teil 02 \u2014 \u2014 Zur Herkunft des Begriffes \u201cSodomie\u201d)\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-9","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-excerpts-and-examples-from-professional-work"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ricercando.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ricercando.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ricercando.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ricercando.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ricercando.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/ricercando.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51,"href":"https:\/\/ricercando.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9\/revisions\/51"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ricercando.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ricercando.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ricercando.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}